Online Portal für Müll im Meer

Müll aus dem Meer am Moolack Beach, USA (Foto: J. Hager/mountain2ocean)

Die wachsende Erdbevölkerung und die globale Industrialisierung haben eine kontinuierlich zunehmende Produktion verschiedenster Güter zur Folge. Viele Produkte sind jedoch aufwändig verpackt und werden nur für eine begrenzte Zeit verwendet. Anschließend werden sie zu Müll, der bei unsachgemäßer Entsorgung in die Umwelt gelangt. Inzwischen wissen wir, dass ein wesentlicher Teil dieses Abfalls in die Ozeane gelangt, entweder vom Land aus oder direkt auf See. Die Schifffahrt im Allgemeinen und die Fischerei im Besonderen stellen einen Eintragsweg dar, weil beispielsweise Fischereigerät beim Einsatz häufig beschädigt wird oder verloren geht und als Abfall im Meer zurückbleibt. Große Mengen von Müll werden auch über Flüsse aus dem Landesinneren in die Meere transportiert. Ist der Müll einmal in die Meeresumwelt gelangt, kann er nur unter sehr hohem Aufwand wieder entfernt werden. Angesichts der Größe der Ozeane ist dies ein aussichtsloses Unterfangen. Der Müll im Ozean ist sehr vielgestaltig und setzt sich aus Objekten unterschiedlicher Form, Größe und Materialien zusammen. Die Langlebigkeit zahlreicher Materialien wie Kunststoff, Glas und Metall führt dazu, dass sich kontinuierlich immer mehr Abfälle in den Ozeanen anhäufen.

Hohe Konzentration von Mikroplastik im Uferbereich der Atlantik-Insel Lanzarote (Foto: L. Gutow / Alfred-Wegener-Institut)

Müll findet sich in allen Lebensräumen der Ozeane: an den Küsten, an der Meeresoberfläche, in der Wassersäule und am Meeresboden bis hinunter in die tiefsten Tiefseegräben. Sogar im arktischen Meereis wurden kleinste Kunststoffpartikel und -fasern, sogenanntes Mikroplastik, nachgewiesen. Die Zirkulationsströmungen der Ozeane fangen treibenden Müll in den fünf großen subtropischen Wirbeln ein. Das führt zu einer starken Anhäufung, auch bekannt als ‚Garbage Patches‘ (Müllstrudel). Die Menge, Zusammensetzung und Herkunft des Mülls variiert dabei stark je nach Meeresgebiet und Lebensraum.

Meeresorganismen interagieren auf unterschiedlichste Weise mit Müll, oft mit tödlichen Folgen. Müll kann anstelle von Nahrung aufgenommen werden und den Verdauungstrakt verletzten oder blockieren. Häufig enthält Plastikmüll Schadstoffe, die während der Produktion beigefügt wurden oder sich aus dem umgebenden Seewasser angelagert haben. Häufig verfangen sich Pflanzen und Tiere aber auch in Leinen und Netzen und werden so in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Das kann zu Verletzung, Verhungern und Erstickungstod führen. Viele Organismen sind in der Lage, Müll zu besiedeln. Wird an der Wasseroberfläche treibender Müll mit den Meeresströmungen verdriftet, können mitreisende Tiere, Pflanzen und Krankheitserreger in neue Gebiete transportiert werden und sich dort ausbreiten. Über die Auswirkungen von Müll auf die Bewohner des Meeresbodens ist noch sehr wenig bekannt. Das Spektrum der Organismen, die mit Meeresmüll interagieren, reicht von Mikroorganismen und Algen über Wirbellose, Fische und Seevögel bis hin zu Schildkröten und den größten Meeressäugern.

Eisbären vor Müll am Strand von Spitzbergen (Foto: B. Lutz)

Die Auswirkungen des Mülls auf die Umwelt und die damit verbundenen möglichen Folgen für den Menschen sind im gesellschaftlichen Diskurs wie auch in der medialen Berichtserstattung präsent. Politik und Behörden versuchen das Umweltproblem mit Maßnahmen einzudämmen. Auch wenn noch immer große Lücken bestehen, haben intensive internationale Forschungsaktivitäten unseren Wissensstand stark erweitert. Dieses Wissen ist dringend erforderlich, um das Bewusstsein der Menschen für dieses Umweltproblem weiter zu steigern, aber auch um geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Häufig ist dieses Wissen jedoch nicht zugänglich, da es in der Fachliteratur versteckt ist. Aufgrund seiner Fülle wird es außerdem immer schwieriger zu erfassen.

In LITTERBASE stellen wir Informationen aus der 1.518 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Müll in den Meeren in einer umfangreichen Datenbank zusammen. Aus dieser Datenbank werden laufend aktualisiertes Kartenmaterial und Infographiken erstellt. Diese liefern Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Behörden, Wissenschaft, Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit wichtige Information zu Mengen, Verteilung und Zusammensetzung von Müll in den Meeren und deren Auswirkungen auf Meeresorganismen. So vermittelt das Portal ein breites, faktenbasiertes Verständnis dieses Umweltproblems.

Müll auf dem Meeresboden des Mittelmeeres in 450 m Tiefe (Foto: F. Galgani /MEDSEACAN/AAMP)

LITTERBASE wird ständig aktualisiert, um mit den kontinuierlich voranschreitenden Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet Schritt zu halten. Dabei ist nicht auszuschließen, dass Publikationen übersehen werden. Sie sind herzlich eingeladen, uns unter litterbase@awi.de auf aktuelle Literatur hinzuweisen. Weiteres Hintergrundwissen zum Thema Müll in den Meeren gibt es in den Publikationen führender Wissenschaftler in dem Buch Marine Anthropogenic Litter, das als kostenloses PDF zum Download verfügbar ist.

Auszüge dieses Buches wurden von Studierenden der FWHS Würzburg-Schweinfurt ins Deutsche übersetzt: https://marinelittersite.wordpress.com/